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Dieser Blogbeitrag ist Teil der Reihe #RollKrit (Rollenspiele zum Kampf gegen Rechtsextremismus durch Förderung von Inklusion und Toleranz). english below

Teil 6 – Achtung! Cthulhu

Das von Modiphius Entertainment herausgegebene Rollenspiel Achtung! Cthulhu nimmt in der Reihe über Rollenspiele zum Kampf gegen Rechtsextremismus eine recht brachiale Position ein. Es lässt die Spielenden nicht nur auf die Grauen des Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg treffen, sondern fügt noch ein weiteres furchteinflößendes Thema zum Setting hinzu: Den kosmischen Horror von mächtigen, uralten Wesen des Cthulhu-Mythos.

Das wirft bezüglich unserer Absicht der Förderung von Inklusion und Toleranz zum Kampf gegen Rechtsextremismus natürlich die Frage auf, ob dieses Rollenspiel-Setting überhaupt Möglichkeiten der ernsthaften Auseinandersetzung mit den Schrecken des Faschismus erlaubt.

Spielmechaniken zwischen Horror und Pulp

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Spielmechanik: Ursprünglich als Erweiterung für das Call of Cthulhu-Rollenspiel gedacht, entwickelte sich Achtung! Cthulhu rasch zu einem eigenständigen Spiel. Es wurde bereits auf Basis der Regelwerke von BRP, FATE und Savage Worlds veröffentlicht. 2021 kam es dann in seiner aktuellen Auflage im 2D20-Regelwerk von Modiphius heraus und fokussiert darin sowohl auf taktische als auch erzählerische Aspekte. Die Spieler übernehmen meist die Rollen von Angehörigen und Unterstützenden der alliierten Streitkräfte. Der Quellenband Vive la Résistance ermöglicht es darüber hinaus auch Angehörige des europäischen Widerstands gegen die Nationalsozialisten zu spielen.

Im 2D20-System können Spielende durch Momentum-Punkte das Narrativ aktiv mitgestalten, während eine Threat-Ressource der Spielleitung Werkzeuge an die Hand gibt, problematische Lagen noch schwieriger werden zu lassen. Das lässt das Spiel dynamisch und actionreich erscheinen. Zudem wird das Empfinden einer existenziellen Hoffnungslosigkeit anderer Cthulhu-Systeme etwas reduziert. Mit der Nutzung von Momentum und Threat geht jedoch auch die Notwendigkeit eines Ressourcenmanagements einher, was das Erleben von Immersion bei unerfahrenen Gruppen einschränken kann.

Der 2. Weltkrieg als Setting

Man muss diesem Spielsystem und seinem Setting zunächst zugutehalten, dass es ihm erstaunlich gut gelingt, Elemente von subtilem Horror und actionreichem Pulp zu verbinden. Es gleitet dabei nicht ins Lächerliche ab und nutzt auch keine SC mit quasi superheldenhaften Fähigkeiten, um den überbordenden Gefahren zu begegnen. Stattdessen wird die Spielwelt detailliert beschrieben und orientiert sich dabei ebenso a cthulhuidem Mythos, wie an historischen Ereignissen im Zweiten Weltkrieg. Es obliegt somit der Spielleitung, den Fokus des Spiels auf historische Mythen, auf historische Ereignisse oder auf Geschichten von H.P. Lovecraft zum Cthulhu-Mythos zu legen.

Ein Rollenspiel, das den Nationalsozialismus im 2. Weltkrieg explizit als Setting wählt, birgt jedoch unweigerlich Chancen und Risiken. Einerseits bietet Achtung! Cthulhu die Gelegenheit, sich kritisch mit faschistischen Strukturen auseinanderzusetzen. Spielende erleben über ihre SC die Grausamkeit eines totalitären Regimes und können Mechanismen von Propaganda, Unterdrückung und Widerstand hautnah nachempfinden. Diese Erfahrung kann helfen, historische Parallelen zu heutigen Entwicklungen zu ziehen.

Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr einer Banalisierung. Indem Nazi-Schergen mit cthulhoidem Horror vermischt werden, könnten die realen Verbrechen der Nationalsozialisten hinter dem erfundenen Schrecken des Mythos verblassen. Der Faschismus könnte als bloßes narratives Element für pulpige Abenteuer gesehen werden.

Rahmung und Reflexion notwendig

Eine sehr verantwortungsbewusste Herangehensweise der Spielleitung erscheint daher absolut essenziell, um die pädagogische Nutzung des Achtung! Cthulhu Spielsystems auch nur in Betracht zu ziehen. Das Spiel sollte in einem Bildungskontext unbedingt in einer Weise geleitet werden, dass historische Genauigkeit gewahrt und die moralische Tragweite der Thematik betont wird. Dies bedingt eine erfahrene Spielleitung und letztlich auch Spielende mit einem grundlegenden Vorwissen. Eine Vorbereitung durch Wissensvermittlung über reale historische Hintergründe und ihre Konsequenzen, sowie ausreichende Zeit für begleitende Reflexionsphasen sind dazu ebenso unabdingbar, wie die Nutzung von geeigneten Sicherheitstools für das Spielerleben.

Erhältlichkeit

Eine deutsche Fassung des Spiels (der eine frühere Ausgabe im Savage Worlds Spielsystem zugrunde liegt) erschien beim Uhrwerk-Verlag.
Dort wird es jedoch seit 2021 nicht mehr fortgeführt, da der Originalverlag des Spiels (Modiphius) Achtung! Cthulhu für sein 2D20-System weiterentwickelt hat und es in der aktuellen Auflage in diesem System selbst (englischsprachig) vertreibt.

Aufgrund seiner Popularität ist diese aktuelle 2D20 Fassung auch über zahlreiche andere Rollenspielgeschäfte (in englischer Sprache) in Deutschland erhältlich.

This Blog Post is Part of the #RollKrit Series („Roll Dice to Knockdown Radicalism with Inclusion & Tolerance“).

Part 6 – Achtung! Cthulhu

The role-playing game Achtung! Cthulhu, published by Modiphius Entertainment, takes a rather forceful stance in the series on role-playing games that engage against extremism. It not only confronts players with the horrors of National Socialism during World War II but also adds another terrifying element to the setting: the cosmic horror of powerful, ancient beings from the Cthulhu Mythos. This naturally raises the question, whether this role-playing game setting even allows for a serious engagement with themes like extremism, radicalism and fascism.

Game Mechanics Between Horror and Pulp

Let’s first take a look at the game mechanics: Originally conceived as an expansion for the Call of Cthulhu role-playing game, Achtung! Cthulhu quickly evolved into a standalone game. It has been published using the BRP, FATE, and Savage Worlds rule systems. In 2021, its latest edition was released under Modiphius‘ 2D20 system, focusing on both tactical and narrative aspects. Players typically take on the roles of members and supporters of the Allied forces. The sourcebook Vive la Résistance also allows for the portrayal of members of the European resistance against the Nazis.

In the 2D20 system, players can actively shape the narrative using Momentum points, while a Threat resource gives the game master tools to escalate difficult situations. This makes the game feel dynamic and action-packed. Additionally, the sense of existential hopelessness often found in other Cthulhu-based systems is somewhat reduced. However, the use of Momentum and Threat also introduces a need for resource management, which may limit the immersive experience for less experienced RPG-groups.

World War II as a Setting

One must acknowledge that this game system and setting successfully blend elements of subtle horror with action-packed pulp. It does not descend into absurdity, nor does it feature player characters with near-superhuman abilities to counter overwhelming dangers. Instead, the game world is described in detail, drawing equally from the Cthulhu Mythos and historical events of World War II. It is ultimately up to the game master to decide whether to focus on historical myths, real historical events, or stories from H.P. Lovecraft’s Cthulhu Mythos.

A role-playing game that explicitly chooses National Socialism in World War II as its setting inevitably presents both opportunities and risks. On the one hand, Achtung! Cthulhu offers the chance to critically engage with fascist structures. Players experience firsthand, through their characters, the cruelty of a totalitarian regime and can better understand the mechanisms of propaganda, oppression, and resistance. This experience can help draw historical parallels to present-day developments.

At the same time, however, there is a risk of trivialization. By blending Nazi henchmen with Cthulhu-esque horror, the real crimes of the National Socialists could fade behind the fictional terror of the Mythos. Fascism might be reduced to a mere narrative element for pulp-style adventures.

Framing and Reflection Are Necessary

A highly responsible approach by the game master is therefore absolutely essential if considering the educational use of the Achtung! Cthulhu game system. In an educational context, the game should be conducted in a way that maintains historical accuracy and emphasizes the moral significance of the subject matter. This requires an experienced game master and players with a foundational level of historical knowledge. Adequate preparation through the provision of historical background knowledge and its consequences, as well as sufficient time for accompanying reflection phases, are just as indispensable as the use of appropriate safety tools for player experiences.

Availability

The publisher of the game (Modiphius) distributes Achtung! Cthulhu in its current 2D20 system itself. Due to its popularity, however, this current 2D20 edition is also available through numerous other role-playing game stores.

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Teil 5 Going Rogue

In Teil 4 dieser Serie schrieb ich, dass Rebel Scum und thematisch ähnliche TTRPGs mit leichtgewichtigen Regelsystemen durchaus edukativ gezielt eingesetzt werden können, um etwa Aspekte wie Autoritarismus, Gruppenzwang und Zivilcourage zu thematisieren.

Going Rogue ist ein Beispiel für einen solchen thematisch ähnlichen Ansatz: Die Autorin Jess Levine nutzt dazu ebenfalls einen an das Star Wars Universum angelehnten Hintergrund für die Spielwelt und das resultierende Regelwerk ist mit gerade mal 34 Seiten sogar noch kürzer als Rebel Scum – die Spielsysteme der beiden TTRPGs unterscheidet sich dagegen deutlich. 

Belonging Outside Belonging

Going Rogue nutzt das Belonging Outside Belonging System. Es handelt sich dabei um einen kollaborativ-erzählerischen Ansatz für Tabletop-Rollenspiele, der auf Würfel und Zahlenwerte für Charakterfähigkeiten verzichtet. Er wurde ursprünglich von Avery Alder und Benjamin Rosenbaum für Dream Askew und Dream Apart entwickelt und ermöglicht eine Aufteilung der Spielleitungsfunktionen unter den Spielenden. Oft wird es als Spiel ohne Spielleitung bezeichnet – man kann es aber auch als ein Spiel beschreiben, bei dem jeder Spielende Aspekte der Spielleitung übernimmt. Im Verlauf des Spiels können Spielende etwa ihre Umgebung beschreiben, Nicht-Spieler-Charaktere darstellen und die Konsequenzen von Handlungen erzählen.

Token als Erzählressource

Dabei werden Token als eine Ressource zur Steuerung von starken und schwachen Moves genutzt. Alle SCs verfügen über eine Liste von starken Moves, die positive oder kontrollierte Aktionen darstellen, sowie von schwachen Moves, die riskant oder problematisch sind, den Spielenden aber einen Token zurückgeben. Mit anderen Worten: Um einen starken Move auszuführen, muss man einen Token ausgeben, den man zuvor durch einen schwachen Move verdient hat.

Dieses System ist optimiert, um Geschichten über Gemeinschaften am Rand der Gesellschaft zu erzählen. Die Spielcharaktere stehen dabei oft im Spannungsfeld zwischen Zugehörigkeit und Außenseitertum. Sie erzählen emotionale, soziale und persönliche Geschichten, die etwa in post-apokalyptischen Gemeinschaften (Dream Askew) oder jüdischen Fantasy-Welten (Dream Apart) spielen. Oder eben in diesem Fall in einem Setting, das an das Star Wars Universum angelehnt ist – wobei insbesondere Rogue One und Andor als Vorbilder genutzt wurden. Das Spiel legt den Fokus auf die oft unbeachteten Helden des Widerstands, die im Schatten agieren und immense Opfer bringen, um Tyrannei zu bekämpfen.

Rebel Scum oder Going Rogue

Während der Fokus bei Rebel Scum stärker auf einem schnellen, actionreichen Spielgefühl liegt, ermutigt die Mechanik von Going Rogue die Spielenden mit Hilfe der tokenbasierten Vorgehensweise, den Fokus auf eine gemeinsame narrative Gestaltung zu legen. Andererseits verlangen die ungewöhnlicheren Regelelemente von Going Rogue möglicherweise zunächst eine Eingewöhnungszeit, die nicht bei allen Spielgruppen gewünscht bzw. in allen pädagogischen Situationen möglich ist. Somit sprechen die Spiele unterschiedliche Spielstile, Vorlieben und Voraussetzungen an.

Die Autorin bezeichnet Going Rogue ausdrücklich als antifaschistisches Rollenspiel über Krieg, Rebellion und ultimative Aufopferung. Durch die immersive Erzählweise und die Betonung von Charakterentwicklung ermöglicht dieses TTRPG die Komplexität von moralischen Entscheidungen zu erleben. Wie zahlreiche andere TTRPGs kann es gezielt pädagogisch genutzt werden, um Empathie und kritisches Denken zu fördern, sowie dabei helfen, Mechanismen von Radikalisierung, Gruppenzwang und moralischer Entscheidungsfindung nachvollziehen. Es lohnt sich meiner Meinung nach sehr, das einmal selbst auszuprobieren.

Erhältlichkeit

Das Spiel ist z.B. bei itch.io und bei DrivethruRPG erhältlich.

This Blog Post is Part of the #RollKRIT Series („Roll Dice to Knockdown Radicalism with Inclusiveness & Tolerance“).

Part 4 Going Rogue

In Part 4 of this series, I wrote that Rebel Scum and thematically similar TTRPGs with lightweight rule systems can be deliberately used for educational purposes, for example, to address aspects such as authoritarianism, peer pressure, and civil courage.

Going Rogue is an example of such a thematically similar approach: Author Jess Levine also uses a setting inspired by the Star Wars universe for the game world, and the resulting rulebook, at just 34 pages, is even shorter than Rebel Scum. However, the game systems of the two TTRPGs differ significantly.

Belonging Outside Belonging

Going Rogue utilizes the Belonging Outside Belonging system. This is a collaborative, narrative-driven approach to tabletop role-playing games that forgoes dice and numerical character stats. Originally developed by Avery Alder and Benjamin Rosenbaum for Dream Askew and Dream Apart, it allows the distribution of game-mastering functions among the players. It is often described as a game without a game master – but it can also be seen as a game where each player takes on aspects of game mastering. Throughout the game, players can describe their surroundings, portray non-player characters, and narrate the consequences of actions.

Tokens as a Narrative Resource

Tokens are used as a resource to regulate strong and weak moves. All player characters (PCs) have a list of strong moves, which represent positive or controlled actions, as well as vulnerable moves, which are risky or problematic but reward the player with a token. In other words: To perform a strong move, a player must spend a token that they previously earned through a vulnerable move.

This system is optimized for telling stories about communities on the fringes of society. The player characters are often caught between belonging and being outsiders. They tell emotional, social, and personal stories, such as those set in post-apocalyptic communities (Dream Askew) or Jewish fantasy worlds (Dream Apart). In this case, the setting is inspired by the Star Wars universe, particularly taking Rogue One and Andor as its main influences. The game focuses on the often-overlooked heroes of the resistance who operate in the shadows and make immense sacrifices to fight tyranny.

Rebel Scum or Going Rogue

While Rebel Scum places more emphasis on a fast-paced, action-packed gaming experience, Going Rogue’s token-based mechanics encourage players to focus on collective narrative development. On the other hand, Going Rogue’s more unconventional rule elements may require an adjustment period, which may not be desirable or feasible for all gaming groups or educational settings. As a result, the two games cater to different play styles, preferences, and requirements.

The author explicitly describes Going Rogue as an anti-fascist role-playing game about war, rebellion, and ultimate sacrifice. Through its immersive storytelling and emphasis on character development, this TTRPG allows players to experience the complexity of moral decision-making. Like many other TTRPGs, it can be purposefully used in educational contexts to foster empathy and critical thinking, as well as to help players understand mechanisms of radicalization, peer pressure, and moral dilemmas. In my opinion, it is well worth trying out for yourself.

Availability

The game is available at itch.io and DrivethruRPG.

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Teil 4 – Rebel Scum

Im Vergleich zu den bisher vorgestellten TTRPGs der Reihe #RollKRIT ist Rebel Scum ein unbekannteres Spiel mit einem oberflächlich gesehen eher unbeschwerten Zugang:
Bei den bereits skizzierten TTRPGs setzt Rosenstrasse als historisch präzises und emotional überaus intensives Erzählspiel auf das Miterleben des Grauens von Faschismus aus einer sehr persönlichen Perspektive. Grey Ranks vermittelt die Tragik des ebenfalls historischen betrachteten Widerstands durch eine Coming-of-Age-Perspektive, wobei es durch gezielt eingesetzte Mechaniken die Unausweichlichkeit folgenschwerer Entwicklungen für Handelnde im Widerstand vermittelt. Spire erlaubt den Spielenden dagegen, sich losgelöst von historischer Perspektive in einer düsteren Fantasywelt mit den moralischen Konsequenzen von Widerstand gegen ein Unterdrückungsregime auseinanderzusetzen.

Popkulturell gezeichnete Rebellion

Rebel Scum arbeitet weit stärker mit popkulturellen Metaphern und überzeichneten dystopischen Elementen, was den Einsatz in Bildungsprojekten niedrigschwelliger macht und dennoch erlaubt, die Auswirkungen totalitärer Regime zu thematisieren. Es basiert auf dem minimalistischen und sehr zugänglichen Polymorph-System von Chris O‘Neill, das stark auf narrativen Flow und intuitive Spielmechaniken setzt. Damit erlaubt es eine offene, selbst gestaltete Erzählweise mit vielen Freiheiten für die Spielenden.

In dem dystopischen Science-Fiction Setting, regiert eine totalitäre Macht mit eiserner Hand und die Spielenden übernehmen die Rolle von Widerstandskämpfenden, die für Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit eintreten. Das 2021 mit Unterstützung eines Kickstarters publizierte Spiel lehnt sich dabei sehr deutlich an die Ästhetik von Star Wars an und bietet so ein popkulturell leichtes Onboarding – was es noch gezielt verstärkt, indem die SC in Form von Action-Spielzeug illustriert werden.

Zwischen Feel-Good-Abenteuer und kritischer Reflexion

O’Neill scheint der Spagat zwischen leichtgängigem Spiel und schwerer Thematik dabei durchaus bewusst zu sein. So schreibt er auf der itch.io Plattform des Spiels, Rebel Scum sei von der Liebe für eine gewisse Linie von 3 und 3/4 inch großen Actionfiguren inspiriert und spiele sich als schnelle „Feel good space opera of rebellion and adventure“. Im Kickstarter formulierte er zudem „Es ist erfrischend und heilsam, in einem Spiel Weltraum-Nazis ins Gesicht zu schlagen, während wir in einer Zeit leben, in der wir erneut dazu aufgerufen sind, gegen tatsächlichen Faschismus in der realen Welt zu kämpfen (und nicht nur in unseren Weltraumopern)“. Doch glücklicherweise geht die Nutzbarkeit des Spiels weit über eine oberflächlich erleichternde Gewaltphantasie hinaus. Denn in der gezielten Reflexion mit Pädagogen kann das Spielerlebnis auch eine tiefere Betrachtung über Autorität, Widerstand und Zivilcourage ermöglichen.

Rebel Scum kommt als schmales Büchlein mit sparsamen Regeln und eine etwas brachial-simplistischen Botschaft daher. Dennoch hat es das Potential, demokratische Grundwerte im Spiel erfahrbar zu machen, statt sich lediglich auf die oft abstrakte politische Aufklärung in Schulen zu verlassen. Dieses und ähnliche TTRPGs könnten in Workshops oder Schulprojekten gezielt eingesetzt werden, um Themen wie Autoritarismus, Gruppenzwang und Zivilcourage gemeinsam zu analysieren.

Die Spielenden finden leicht Anschluss an das zugrundeliegende Star-Wars-Narrativ, können dabei aber unmittelbar erleben, wie sich Propaganda, Angst und soziale Kontrolle auswirken – und auch, welche Kraft Solidarität und Widerstand haben können.

Erhältlichkeit

Das Spiel ist z.B. direkt bei 9th Level Games, bei itch.io und bei Sphärenmeisters Spiele erhältlich.

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Part 4 Rebel Scum

Compared to the previously introduced TTRPGs in the #RollKRIT series, Rebel Scum is a lesser-known game with a seemingly lighthearted approach:

Rosenstrasse is a historically precise and deeply emotional storytelling game that allows players to experience the horrors of fascism from a highly personal perspective. Grey Ranks conveys the tragedy of historical resistance through a coming-of-age lens, using carefully designed mechanics to illustrate the inevitability of difficult choices for those involved in resistance. Spire, on the other hand, lets players explore the moral consequences of rebellion in a dark fantasy world, detached from historical constraints.

Pop Culture Rebellion

Meanwhile, Rebel Scum relies heavily on metaphors and exaggerated dystopian elements, making it more approachable for educational projects while still addressing the effects of totalitarian regimes. It is based on Chris O’Neill’s minimalist Polymorph system, which emphasizes narrative flow and intuitive mechanics. This enables open-ended, player-driven storytelling with plenty of creative freedom.

Set in a dystopian sci-fi world, a totalitarian power rules with an iron fist, and players take on the roles of rebels fighting for freedom, solidarity, and justice. Published in 2021 through a successful Kickstarter campaign, the game draws clear aesthetic inspiration from Star Wars, making onboarding easy for pop culture fans – an effect further reinforced by the player characters being illustrated as action figures.

Between Feel-Good Adventure and Critical Reflection

O’Neill seems very aware of the balance between a lighthearted game and a serious theme. On the game’s itch.io page, he describes Rebel Scum as inspired by a love for a certain line of 3¾-inch action figures and designed as a fast-paced „feel-good space opera of rebellion and adventure.“ In the Kickstarter campaign, he also stated: „There is something refreshing and healing about getting to punch space nazis in their faces in a game, while we are living in a time when we have once again been called on to fight ACTUAL fascism in the real world (not just in our space operas).“

However, the game’s usefulness goes beyond simple power phantasies. When used in structured discussions with educators, it can serve as a powerful tool for deeper reflection on authority, resistance, and civil courage. Rebel Scum comes as a slim book with concise rules and a somewhat blunt message, yet it has the potential to make democratic values tangible through play rather than relying on abstract political education in schools. Games like this could be used in workshops or educational projects to explore themes like authoritarianism, peer pressure, and civil courage. Players can easily connect with the Star Wars narrative while directly experiencing the impact of propaganda, fear, and social control – while also discovering the power of solidarity and resistance.

Availability

The game is available directly at 9th Level Games, on itch.io, and at Sphärenmeisters Spiele.

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Teil 3 – The Spire

Das dritte TTRPG in der Reihe #RollKRIT nutzt im Gegensatz zu Rosenstraße und Grey Ranks kein Setting, das direkt von historischen Ereignissen der realen Welt inspiriert ist, sondern eine düstere Fantasy-Welt als Spielort. In The Spire von Grant Howitt und Christopher Taylor (2018) sind die Spielercharaktere Drow-Rebellen, die in einer gigantischen, verfallenden Turmstadt gegen die dekadente, imperialistische Herrschaft der Hochelfen (Ælfir) kämpfen. Zwischen Spionage, Guerillakrieg und okkulten Mächten riskieren sie viel, um gegen Unterdrückung anzukämpfen – und jeder Erfolg erfordert dabei Opfer.

Rebellion

Jene Drow wurden vor Jahrhunderten unterworfen und als Bürger zweiter Klasse in die unteren Ebenen des kilometerhohen, düsteren Turms gedrängt. Machtstrukturen, Widerstand und Identität können mit dem Spiel in einer dystopischen Gesellschaft thematisiert werden, in der die sozialen Schichten buchstäblich vertikal übereinandergestapelt sind. Die Mechaniken des Spiels fördern dabei kreatives Problemlösen, strategisches Denken und kooperative Erzählweisen.

Pädagogische Nutzung

Das TTRPG ist ein spannendes narratives Experiment – es kann aber auch als pädagogisches Werkzeug genutzt werden, denn es zwingt die Spielenden dazu, sich mit den Mechanismen von Unterdrückung und Macht auseinanderzusetzen. Ihre Spielercharaktere müssen sich mit Konsequenzen ihres Widerstands beschäftigen und abwägen, wie weit sie für ihre Sache gehen wollen.

Die Spielenden versetzen sich dabei in die Rolle von Unterdrückten und können aus der Perspektive ihrer Spielercharaktere, strukturelle Ungleichheiten erkennen und hinterfragen. Dies ist ein entscheidender Aspekt der Demokratieförderung, denn eine reflektierte, kritische Perspektive auf Machtverhältnisse ist essenziell, um extremistische Narrative zu erkennen und zu durchbrechen.

Wichtige Reflexion

Diese kritische Auseinandersetzung kann in der Reflexion des Spiels eine differenzierte Sicht auf reale soziale Konflikte vermitteln. Gerade in Zeiten, in denen extremistische Gruppen versuchen, junge Menschen durch vereinfachende und spaltende Erzählungen zu gewinnen, ist es wichtig, Gegennarrative zu fördern, die Ambiguitäten zulassen und zur Reflexion anregen.

Fazit

The Spire kann als Reflexionsübung über Macht, Identität und Widerstand eingesetzt werden – gerade in einer Zeit, in der einfache Antworten verführerisch erscheinen. Eine angeleitete Reflexion der Inhalte durch pädagogische Fachkräfte ist dabei jedoch wichtig.

Auszeichnungen

The Spire gewann den ENNIE Award 2020 für das beste Setting. Außerdem wurde es für Best Writing und Product of the Year nominiert.

Erhältlichkeit

Das Spiel ist in der deutschen Übersetzung seit 2020 bei System Matters erhältlich.

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Part 3 – The Spire

The third TTRPG in the #RollKRIT series, unlike Rosenstraße and Grey Ranks, does not use a setting directly inspired by historical events of the real world but instead takes place in a dark fantasy world. In The Spire by Grant Howitt and Christopher Taylor (2018), player characters are Drow rebels fighting against the decadent, imperialist rule of the High Elves (Ælfir) in a massive, decaying tower city. Through espionage, guerrilla warfare, and occult forces, they risk everything to fight oppression – and every success comes at a cost.

Rebellion

The Drow were subjugated centuries ago and relegated to the lower levels of the towering, gloomy Spire as second-class citizens. This setting allows for the exploration of power structures, resistance, and identity within a dystopian society where social classes are literally stacked on top of each other. The game’s mechanics encourage creative problem-solving, strategic thinking, and cooperative storytelling.

Educational Use

This TTRPG is an exciting narrative experiment – but it can also serve as an educational tool, as it forces players to engage with the mechanisms of oppression and power. Player characters must deal with the consequences of their resistance and weigh how far they are willing to go for their cause.

Players must put themselves in the position of the oppressed, while simultaneously learning to recognize and question structural inequalities. This is a crucial aspect of promoting democracy, as a reflective, critical perspective on power structures is essential to counter extremist narratives.

Reflection

This critical engagement can provide a nuanced view of social conflicts through game reflection. Especially when extremist groups attempt to attract young people with simplistic narratives, it is important to promote stories that allow for ambiguity and encourage reflection.

Conclusion

The Spire can be used as a reflection exercise on power, identity, and resistance – especially in a time when simple answers seem tempting. However, guided reflection on its content by educational professionals is important.

Awards

The Spire won the 2020 ENNIE Award for Best Setting. It was also nominated for Best Writing and Product of the Year.

Availability

The game has been available in its German translation from System Matters since 2020. It can also be found digitally at DrivethruRPG.